Entwicklung des Chemnitztalradweges
Nach der schrittweise Stilllegung der Chemnitztalbahn durch die Deutsche Bahn AG beschloss am 09.10.2002 der Kreistag Mittweida eine Konzeption zum Ausbau touristischer Radwege.
In dieser Zeit entstand bei mir der Wille, an dem Ziel, einen Radweg zwischen der Stadt Chemnitz und dem Chemnitztal bis Markersdorf zu schaffen, aktiv mitzuarbeiten.
Ich wusste bereits aus den Erzählungen meiner Großeltern, dass nach dem Bau der Chemnitztalbahn und der Chemnitztalstraße nach 1902 der Ort Markersdorf mit Schweitzertal und besonders das Ausflugslokal Carolapark viele Chemnitzer hierher in diese Naturidylle lockte. Voraussetzung war natürlich die für die damalige Zeit sehr fortschrittliche neue Infrastruktur, welche den Tagestourismus beförderte.
Ähnlich ist es heute mit der touristischen Entwicklung. Ich kann mir gut vorstellen, dass in der heutigen Zeit, wo der Radtourismus „In“ ist, die Menschen aus der Stadt Chemnitz in unser idyllisches Chemnitztal und auch weiter in das Gebiet der Mulde mit dem Fahrrad kommen. Dazu bietet sich ein Radweg, der nur eine sehr geringe Steigung hat, für Familienausflüge an.
Ursprünglich hatte der Landkreis Mittweida mit der Grundlagenplanung des touristischen Radweges entlang der Chemnitz begonnen. Für weiterführende Planungsleistungen fehlte jedoch das Geld.
Die Stadt Chemnitz begann ab dem Jahr 2005 mit dem Bau eines Radweges von der Lohrstraße bis zum Dammweg.
Um einen Anschluss ab Wittgensdorf zu realisieren, kamen die Gemeinden Claußnitz, Lichtenau und Taura überein, eine Zweckvereinbarung zu schließen, um einen Radweg bis Markersdorf zu bauen. Zum einen bemühte man sich um den Erwerb der Bahnstrecke bis Markersdorf und erkundigte sich zu Fördermöglichkeiten für die Planung und den Bau.
Weiterhin stand dem Bau eines Radweges auf den Schienen entgegen, dass sich der Verein der Eisenbahnfreunde in Markersdorf sehr intensiv um eine Nutzung der Chemnitztal-Bahnstrecke mit Schienenfahrzeugen bemühte.
Nach umfangreichen Bemühungen und den Einsatz unseres damaligen Bundestagsabgeordneten Dr. Gerald Thalheim aus Claußnitz gelang es, eine Fördermöglichkeit für den Radweg zwischen Wittgensdorf und Markersdorf zu finden. Durch eine ministerielle Anordnung war es ab sofort möglich, dass der Chemnitztalradweg zwischen Wittgensdorf und Markersdorf als Bundesstraßen-begleitender Radweg eingestuft wird und somit vom Straßenbauamt ohne Kosten für die Anliegerkommunen geplant und gebaut werden kann.
Die Gemeinden müssen aber das Grundstück bereitstellen, in Form der Bahnstrecke, und nach Fertigstellung der Bauarbeiten die Betreibung des Radweges übernehmen.
Aus diesem Grund und wurde der Zweckverband „Chemnitztalradweg“ im Jahr 2007 von den Gemeinden Claußnitz, Lichtenau und Taura gegründet.
Ende 2007 gelang es, die Chemnitztal-Bahnstrecke von der Deutschen Bahn AG zu kaufen. Allerdings nicht wie geplant, nur ein Teilstück bis Markersdorf, sondern nach dem Motto „Alles oder Nichts“ von Wittgensdorf bis nach Wechselburg an die Einmündung der Muldentalbahn.
Es wird eine Einigung mit dem Verein der Eisenbahnfreunde herbeigeführt, dass die Strecke zwischen Markersdorf und Diethensdorf dem Verein zur Verfügung gestellt werden soll. Im Gegenzug sollen keine Behinderungen für die Planung und den Bau des Radweges auf dem verbleibenden Schienenstrang erfolgen.
Im Jahr 2008 treten die Städte Burgstädt und Lunzenau sowie die Gemeinde Königshain Wiederau dem Zweckverband bei. Außer Wechselburg sind alle Anliegerkommunen des Chemnitztals im Zweckverband vereint.
Da wir die gesamte Bahnstrecke nun erworben hatten, erweiterte sich das Ziel dahin, dass eine Verbindung zum Mulderadweg geschaffen werden soll.
Zum Stand:
- Die Stadt Chemnitz hat inzwischen den Radweg bis zur Heinersdorfer Straße weitergebaut (Fertigstellung Ende Mai 2011). Die Planung und der Bau bis Wittgensdorf Bahnübergang schließt sich an.
- Das Straßenbauamt Chemnitz hat die Planung zwischen Bahnübergang Wittgensdorf und Bahnübergang Markersdorf Kolonie abgeschlossen. Seit Herbst 2009 läuft das Planfeststellungsverfahren in der Landesdirektion Chemnitz. Mit dem Planfeststellungsbeschluss ist im Sommer 2011 nach Auskunft durch das Straßenbauamt zu rechnen. Die Schwierigkeiten des Genehmigungsverfahrens sind uns bekannt, denn der Radweg befindet sich im FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) und einem Landschaftsschutzgebiet.
- Die Bauarbeiten für den Teilabschnitt des Radweges zwischen Bahnübergang Markersdorf – Kolonie und dem Bahnhof Markersdorf sind im Zuge des grundhaften Ausbaus der B 107 in Markersdorf in vollem Gange und werden bis voraussichtlich Anfang Juni 2011 abgeschlossen.
- Der Zweckverband Chemnitztalradweg hat den Schienenausbau auf der gesamten Strecke, außer zwischen Markersdorf und Diethensdorf, abgeschlossen und damit Einnahmen erzielt, welche für die weitere Planung und den Bau eingesetzt werden sollen.
- Im letzten Jahr wurde eine Vorplanung für die Strecke zwischen Markersdorf und dem Muldental realisiert. Im Ergebnis wird festgestellt, dass eine Streckenführung zu 100 % auf der Schiene wegen der zu hohen Kosten in Höhe von 11,4 Millionen €, vor allem wegen der Instandsetzung von Ingenieurbauwerken, nicht realisierbar ist.
Wie geht es weiter?
Wir hoffen auf einen baldigen Baubeginn zwischen Wittgensdorf und Markersdorf nach dem Abschluss des Planfeststellungsbeschlusses. Termine können leider nicht genannt werden, da das Straßenbauamt Chemnitz Bauträger ist.
Ebenfalls 2011 soll die Genehmigungsplanung für den Teilabschnitt zwischen Markersdorf und Diethensdorf parallel zur Bahnstrecke erstellt werden. 2012 ist das Planfeststellungsverfahren vorgesehen. Ein Baubeginn wird für diesen Teilbereich im Jahr 2013 angestrebt.
Die Weiterführung des Radweges bis ins Muldental bleibt unser Ziel. Es müssen jedoch weitere Varianten der Streckenführung untersucht werden, um bei vertretbaren Kosten auch den Radweg bauen und betreiben zu können. Für diese Untersuchung wird der Zweckverband in diesem Jahr weitere Planungsmittel einsetzen.
Günter Hermsdorf
Vorsitzender des Zweckverbandes
„Chemnitztalradweg“ und Bürgermeister
Der Gemeinde Claußnitz
